Hintergrund

Weder Finanzmärkte noch Wirtschaftskrisen sind in ihren Ursachen und Auswirkungen geschlechtsneutral. Auf der Suche nach alternativen Wirtschaftsmodellen zur gescheiterten Mainstream-Ökonomie werden Forschungsergebnisse und Stellungsnahmen aus der feministischen Ökonomie jedoch nur wenig zu Rate gezogen. Völlig unbekannt ist, dass es auch in der feministischen Ökonomie unterschiedliche Denkschulen, Vorschläge und Forderungen gibt.

Diese sollen differenziert diskutiert, utopische bis pragmatische Denkanstöße ausgetauscht und mit in den politischen Kontext eingebracht werden. Das reicht von der „Care“-Debatte bis zu Instrumenten wie Gender-Budgeting, die bereits auf EU Ebene eingeführt, jedoch nicht genutzt werden.

Auch Kürzungen in öffentlichen Haushalten und konjunkturpolitische Maßnahmen haben eine geschlechterpolitische Seite, die für eine nachhaltige und zukunftsfördernde Auseinandersetzung darüber, in welcher Welt wir leben wollen, mitzubetrachten ist.

Existierende kritische Diskurse integrieren zwar unterschiedliche Perspektiven wie z.B. den Ressourcenverbrauch oder das Nord-Süd-Verhältnis, versäumen es jedoch, auch eine Geschlechterperspektive einzubeziehen. Ein Beispiel dafür ist u.a. das Einfordern einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung von einer großen Bandbreite gesellschaftlicher Akteur_innen, wobei Nachhaltigkeit jedoch nur als Schlagwort genutzt wird, um ökonomische Interessen über das Soziale und der Natur hierarchisch einzuordnen.

In den aktuellen wachstumskritischen Diskursen fehlt ebenfalls oft eine Geschlechterperspektive, so gibt es Teile der wachstumskritischen Bewegung, die eine Rückkehr zu tradierten Rollenverhältnissen als mögliche Lösung propagieren. Dies halten wir für falsch!

Eine Geschlechterperspektive in diesem Zusammenhang fördert eine andere Perspektive, die für eine ganzheitliche und zukunftsweisende Agenda mit einbezogen werden sollte. In diesem Sinne verstehen wir die feministische Ökonomie als die umfassendere Wissenschaft, da sie den Menschen nicht nur als solitär agierendes Lohnarbeits- und Konsumsubjekt betrachtet, sondern auch nichtmonetäre und gemeinschaftliche Aspekte wirtschaftenden Handelns einbezieht.

Wir wollen eine Tagung organisieren, die feministische Ansätze einer breiteren Öffentlichkeit (in einem emanzipatorischen Kontext) zur Verfügung stellt. Wir wollen das Angebot machen, sich mit diesen Ansätzen auseinanderzusetzen, um diese mit in die aktuellen Diskurse einzubringen und eventuelle Synergien herzustellen.

Wir wollen uns bei dieser Tagung auch mit der Frage auseinandersetzen, warum feministische Expertise in der Öffentlichkeit selten Gehör findet und wie Gender-Aspekte stärker in aktuelle Bildungsarbeit einbezogen werden können. Ein Ziel der Tagung wird es daher auch sein, mit einer Begleitpublikation, die die Debatten der Tagung aufnimmt, die Ergebnisse öffentlich zu machen und damit einen ersten Schritt zu einer Verstetigung der Arbeit zu leisten.

Eine Antwort zu Hintergrund

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